Teheran
Niedersachsens Repräsentanz in Iran

Investieren in Iran: Hamed Moghaddasi berät und unterstützt bei den aktuellen Herausforderungen

06.10.2021 Tehran, Iran

Ein Interview mit Herrn Hamed Moghaddasi - der Repräsentant des Landes Niedersachsen in Iran sieht vor allem in den Bereichen Maschinenbau, der Landwirtschaft und Viehzucht, aber auch in Erneuerbaren Energien oder der Digitalisierung sehr gute Chancen für niedersächsische Unternehmen in Iran.

Herr Moghaddasi, seit 2016 ist Niedersachen mit einer Repräsentanz in der Islamischen Republik Iran in Teheran vertreten und Sie sind der Repräsentant. Die Leserinnen und Leser würden sicher auch gern etwas über Sie persönlich erfahren.

Niedersachsen hat als erstes Bundesland eine Repräsentanz in Iran gegründet, deren Aufgaben ich 2019 übernommen habe. Mit Niedersachsen bin ich allerdings schon länger verbunden, da ich bereits 1988 von Teheran nach Göttingen gezogen bin, wo ich das Abitur gemacht, an der dortigen Uni studiert und auch den Pflichtwehrdienst abgeleistet habe. Ich bin seit vielen Jahren in engstem Kontakt mit iranischen Unternehmen und natürlich mit deren deutschen Geschäftspartnern. Als Repräsentant Niedersachsens ist es mir ein großes Anliegen, mich persönlich um niedersächsische Unternehmer und iranische Unternehmer, die miteinander Geschäfte machen wollen, zu kümmern.

Als Repräsentant Niedersachsens ist es mir ein großes Anliegen, mich persönlich um niedersächsische Unternehmer und iranische Unternehmer, die miteinander Geschäfte machen wollen, zu kümmern.

Hamed Moghaddasi
Hamed Moghaddasi, Repräsentant des Landes Niedersachsen in Teheran, Iran

Wie belastend war für Sie die Zeit der strengen Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie?

Wie in den meisten Ländern der Welt haben auch wir Iraner unter psychischen Belastungen aufgrund der persönlichen Einschränkungen gelitten. Was die Aufgaben als Repräsentant angeht, so hat sich die Arbeitsweise natürlich coronabedingt verändert.

An die Stelle von persönlichen Treffen mit Unternehmern, die in Niedersachsen tätig werden möchten, ist der digitale Austausch getreten. Telefonate und Online-Gespräche über mehrere Stunden am Tag können allerdings besonders in Iran, wo man oft auf ein persönliches Treffen besteht, schon etwas anstrengend sein. Ich muss ehrlich sagen, dass ich mir die Zeit herbeiwünsche, in der man sich wieder normal in einer Menschenmenge bewegen und sich gegenseitig die Hand geben kann. Diese Art der Begrüßung ist oft ein sehr guter Anfang für Gespräche.

Die Corona-Pandemie hat in allen Ländern negative Auswirkungen auf die Wirtschaftsentwicklung. Zudem besteht das von den USA verhängte Handelsembargo gegen den Iran fort. Wie bewerten Sie die wirtschaftliche Lage in Iran?

Die zukünftige Lage der iranischen Wirtschaft wird wesentlich vom weiteren Verlauf der Corona-Krise, aber auch von anderen, besonders politischen Faktoren abhängen.

Die Corona-Krise in Verbindung mit den Auswirkungen der US-Sanktionen und strukturellen Problemen der iranischen Wirtschaft, haben die bereits vor der Pandemie bestehende Rezession erheblich verschärft.

Durch die Massenimpfungen gegen Corona kann man allerdings auf eine baldige Besserung der Lage hoffen. Politisch gesehen, sind viele Faktoren nun im Vergleich zum letzten Jahr klarer geworden. Die Demokraten haben mit Joe Biden die Wahlen gewonnen und der frühere Chef der iranischen Judikative, Seyed Ebrahim Raissi, ist nun der neue iranische Präsident. Beide Präsidenten bekräftigen ihren Wunsch, über die Sanktionen zu verhandeln. In Iran geht man davon aus, dass die Verhandlungen notgedrungen aufgenommen und zu einem positiven Ergebnis führen werden. In diesem wahrscheinlichen Fall werden wir Zeugen eines großen wirtschaftlichen Aufschwungs in Iran sein.

In diesen herausfordernden Zeiten: Was macht Ihre Arbeit als Repräsentant besonders interessant?

Nach meinem Verständnis besteht meine Aufgabe als Repräsentant Niedersachsens darin, die niedersächsischen und iranischen Unternehmen zu unterstützen. Dazu gehört es, Informationen bereitzustellen, frühzeitig auf mögliche Hindernisse hinzuweisen und geeignete Lösungswege aufzuzeigen. Über meine Netzwerke kann ich auch beim Knüpfen von Kontakten sowie in praktischen Dingen helfen. Mir in möglichst kurzer Zeit einen Überblick über teilweise recht komplexe Themen zu verschaffen, macht meine Aufgabe besonders interessant. Es freut mich immer, wenn ich dazu beitrage kann, korrekte Entscheidungen zu treffen, bzw. Vorhaben zu realisieren.

Wir konnten nach Abschluss des Atomabkommens in 2015 von iranischen Unternehmen ein sehr großes Interesse an deutschen Produkten feststellen. Wo sehen Sie weiterhin besondere Chancen für niedersächsische Unternehmen in der Islamischen Republik Iran?

In traditionellen Bereichen wie Maschinenbau, der Landwirtschaft, insbesondere der Viehzucht aber auch in den Branchen Erneuerbaren Energien und Digitalisierung sehe ich sehr gute Chancen für niedersächsische Unternehmen.

Iran ist ein Land, das über große natürliche Ressourcen verfügt. Was wir dringend benötigen, sind Investitionen zur Erneuerung der iranischen Industrie. Es gibt einen großen Bedarf an modernen Technologien und an technologischem Know-How.

Allerdings hemmen die US-Sanktionen den Handelsaustausch in den meisten dieser Branchen. Nicht von den Sanktionen betroffen sind Medizin- und Hygieneprodukte, medizinische Einrichtungen, persönliche Schutzausrüstungen, Systeme für industrielle Sicherheit sowie landwirtschaftliche Produkte.

Wir wissen von niedersächsischen Unternehmen, dass durch die US-Sanktionen gerade auch der Transfer von Geldern ein großes Problem geworden ist. Wie beurteilen Sie die Problemlage?

Geld zu transferieren ist vielleicht das größte Problem im Handel zwischen Iran und Deutschland. Wegen der bestehenden US-Sanktionsdrohungen bei Geschäften mit Iran ist der zur Abwicklung erforderliche Geldtransfer für EU-Unternehmen und Banken fast unmöglich geworden. In manchen Fällen lassen sich aber kleinere lokale Banken finden, welche kooperieren können.

Das von der EU entwickelte Handelsinstrument INSTEX konnte bisher auch nur in geringem Umfang Abhilfe schaffen und beschränkt sich ohnehin nur auf den nicht sanktionierten Handel von Waren für humanitäre Hilfe, Arzneimittel und Medizinprodukte sowie landwirtschaftliche Güter.

Auf welche kulturellen Besonderheiten in der Islamischen Republik Iran muss sich ein niedersächsisches Unternehmen einstellen?

Da gibt es schon einiges. Neben den Verhaltensroutinen, die in islamischen Ländern zu beachten wären, gibt es viele Details, die nicht außer Acht gelassen werden sollten.

Die Iraner sind grundsätzlich freundliche Menschen, besonders einem ausländischen Gast bzw. Geschäftspartner gegenüber. In der iranischen Kultur gibt es diverse Besonderheiten, mit denen man sich vertraut machen sollte.

Dazu gehört z. B. „Taarof“, eine besondere Form der Höflichkeit, die übersetzt bedeutet „sich bekannt machen“, in der Wirkung aber als „zeremonielle Unaufrichtigkeit“ definiert werden kann. Für Deutsche ist dies nicht ganz einfach zu verstehen.

Ich kann nur empfehlen, sich vorher über die Gepflogenheiten genau zu informieren. Dadurch kann man Missverständnissen vorbeugen.

Wenn ein niedersächsisches mit einem iranischen Unternehmen Geschäfte machen möchte, welche allgemeinen Tipps können Sie geben und wo können Sie besonders unterstützen?

Um Missverständnisse vorzubeugen, sollte man sich rechtzeitig vor der Aufnahme der Gespräche darüber Gedanken machen, wie die Sprachbarriere adäquat überwunden werden kann. Auch wenn es eine Binsenweisheit ist: Unternehmen sollten sich genau über den iranischen Markt informieren. Ebenfalls sehr wichtig ist es, sich gut über die Zollbestimmungen zu informieren.

Hier kann ich Informationen einholen und den niedersächsischen Unternehmen bei ihren Entscheidungen helfen. Bei der Finanzierung von Geschäften sollte man insbesondere den sehr volatilen Devisenkurs im Blick behalten.

Es gibt aber auch reges Interesse von iranischen Unternehmen in Niedersachsen aktiv zu werden. Welche Unterstützungsleistungen kann die Repräsentanz den interessierten iranischen Unternehmen bieten?

Das Interesse iranischer Geschäftsleute in Niedersachsen aktiv zu werden, ist tatsächlich hoch.

Die Nachfrage kommt aus unterschiedlichsten Branchen, wie der Nahrungsmittelindustrie oder auch aus dem Bereich der Erneuerbare Energien. Die Fragen betreffen alle Bereiche, wie z.B. Firmengründung, Geschäftsmentalität in Deutschland aber auch Ex-und Importbestimmungen.

Im Bereich Firmengründung und GmbH-Eintragung informieren wir mit passenden Materialien und bieten konkrete Unterstützung auch in der Umsetzung an. Einige Unternehmen suchen in Niedersachsen eine Immobilie oder ein Grundstück für eine Ansiedlung. Auch hierbei kann in Zusammenarbeit mit dem Ansiedlungsteam des niedersächsischen Wirtschaftsministeriums Hilfe angeboten werden.

Es gibt hier aber auch Unternehmen, die zunächst nur an einer Kooperation interessiert sind und einen passenden Geschäftskontakt zu einem niedersächsischen Partner nachfragen.

In der Regel gelingt es uns in Zusammenarbeit mit unseren Netzwerken, wie Kammern und Wirtschaftsförderern, diesen Kontakt herzustellen. Die Beschränkung des Geldverkehrs ist aber auch hier oft ein großes Hindernis für die Unternehmen.

Ihr Repräsentant in Iran