DLR Remote Tower 1

Der Remote Tower des DLR - Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt

Im Gespräch mit Jörn Jakobi und Sebastian Schier, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Braunschweig.

Die Einrichtung/das Institut

  1. Wie würden Sie Ihre Vision beschreiben? Und wie kam es zu dieser Vision?
    Im Rahmen des DLR Wettbewerbs der Visionen 2001 wurde die Idee „Virtual Tower“ erfolgreich eingereicht, welche später zu Remote Tower Control weiterentwickelt wurde.
     
  2. Was ist das Besondere an Ihrer Forschung und Ihrer Anwendung? Was zeichnet es aus?
    Es ist ein Paradigmenwechsel in der Flugführung, dass die Überwachung von Flughäfen auch vollkommen losgelöst von einem Flughafen-Tower geleistet werden kann. Es hilft, Flugsicherungsdienstleistungen umfassender und effizienter zu gewährleisten.
     

Spezifika des Forschungsfeldes

  1. Warum ist für Sie die Vernetzung im Feld wichtig? Wie gelingt die Vernetzung in Niedersachsen, national und international und welche konkreten Vorteile bringt dieses Netzwerk für Sie mit?
    Über die Jahre hat das DLR dieses Thema national und international getrieben und ein umfassendes Netzwerk aufgebaut. Das DLR leitet das größte europäische Remote Tower Forschungsprojekt „SESR2020-PJ05“ und die EUROCAE Standardisierungsgruppe „Virtual Remote Tower“. Durch diese Vernetzung und Leitung ist das DLR auf diesem Gebiet im höchsten Maße anerkannt.
     
  2. Was sind heute die größten Herausforderungen und Trends für Ihr Institut und wie gehen Sie diese an?
    Um die entscheidenden Partner zu finden und so Inventionen in Innovationen zu überführen, müssen wir die Ergebnisse unserer Forschung bekannt machen.
DLR Remote Tower 2

Thema NachwuchswissenschaftlerInnen

  1. Wie sichert Ihr Institut den Bedarf an exzellenten Nachwuchs-WissenschaftlerInnen?
    Über Doktorandenstellen, betreute Studienarbeiten, Praktikantenstellen oder Neueinstellungen von Studienabgängern.
     

Digitalisierung / KI

  1. Welche Bedeutung hat die Digitalisierung in Ihrer Einrichtung?
    Eine große und das seit Jahrzehnten. Alle unsere Produkte basieren auf Digitalisierung.
     
  2. An welchen Umsetzungsmaßnahmen im Bereich der Digitalisierung wird bei Ihnen gerade gearbeitet?
    Neuartige Assistenzsysteme für Piloten und Fluglotsen.
     
  3. Was können Sie durch die Digitalisierung in Zukunft besser machen?
    Die Interaktion Mensch-Maschine wird enger und hochwertiger gerade durch intelligente machine-learning Prozesse und die intelligente Verarbeitung und Interpretation von großen Datenmengen.
     
  4. Arbeiten Sie in bestimmten Bereichen schon mit Künstlicher Intelligenz und wenn ja, wie können wir uns das vorstellen?
    Unsere Spracherkenner passen sich z.B. automatisch neuen Dialekten und Flugsicherungskontexten an.
DLR Remote Tower 3

Wachstum

  1. Wo sehen Sie Marktpotentiale für Ihr Produkt?
    Durch unsere Produkte wird die Bereitstellung von Flugsicherungsdienstleistungen sichergestellt und der Service-Level angehoben.
     
  2. Wie sind Sie Pionier in Ihrem Gebiet geworden? Was ist Ihr Erfolgskonzept?
    Ein Schlüssel ist die freie, unzensierte und unbürokratische Forschung, die sich auch Misserfolge leisten darf.
     

Internationale Zusammenarbeit

  1. Welche Bedeutung hat die internationale Zusammenarbeit für Ihre Forschung und welche Länder stehen dabei im Fokus?
    Ohne Zusammenarbeit macht unsere Forschung keinen Sinn. Die Zusammenarbeit mit Universitäten und der Luftfahrtindustrie ist essentiell, um Ideen und Ergebnisse in die Anwendung zu überführen. Deutschland als unser Forschungsstandort ist dabei natürlich von größter Bedeutung, aber auch andere europäische und auch außereuropäische Länder profitieren von unserer Arbeit.
     
  2. Wie meistern Sie die wissenschaftlichen, wirtschaftlichen und interkulturellen Herausforderungen in der internationalen Zusammenarbeit?
    Mit einen transparentem, verlässlichem und fairem Auftreten unseren Partnern gegenüber.
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Forschung & Entwicklung

  1. An welchen Innovationen arbeiten Sie gerade?
    Wir erforschen gerade den Anwendungsfall der remote-Überwachung  von unkontrollierten Flugplätzen über eine kostengesenkte Remote Tower Anwendung mit einer Virtual-Reality-Brille.
     
  2. Welchen Stellenwert hat die Entwicklung von Innovationen für Ihre Forschung?
    Essentielle natürlich. Das ist der Auftrag des DLR, Inventionen in Innovationen zu überführen.
     
  3. Arbeiten Sie bei ihrer Forschung mit Unternehmen zusammen? Wenn ja, mit welchen?
    Ja, siehe oben. Konkret:
  • Flughafen Braunschweig
  • Rheinmetall
  • Deutsche Flugsicherung
  • Hungarocontrol
  • Austrocontrol
  • SITA
  • Oro navigacija
  • SAAB
  • LFV
  • NLR
  • TU Braunschweig
  • Uni Bologna
  • Etc.

Zukunft

  1. Wo sehen Sie Ihre Einrichtung, Ihr Institut und Ihre Forschung im Jahr 2030?
    In genau dieser Position, eventuell noch breiter aufgestellt, um den Herausforderungen des Luftfahrttransport bezüglich Umwelt-, Sicherheit- und Effizienzfragen noch makrokosmischer und gerechter begegnen zu können. Alles ist miteinander vernetzt und muss auch so betrachtet werden. Welchen Umfang an Mobilität braucht es wirklich und welchen Anteil und in welcher Art wird die Luftfahrt dazu beitragen – das sind Fragen, die wir bis dahin beantworten wollen.
     
  2. Was wünschen Sie sich für Ihr Institut, um dahin zu kommen?
    Weniger Bürokratie. Im Moment herrscht ein Umstand vor, der Forschungsaufwände und Ergebnisse bis ins kleinste Rädchen kontrollieren möchte. Das ist nicht möglich und auch nicht nötig. Forschung braucht freies Denken und weniger Kontrollzwänge. Übertriebene Bürokratie bzw. überdimensionierte Kontrollmechanismen sorgen in der Forschung nur dafür, dass der Forscher nicht mehr 100% forscht, sondern nur noch 70%, weil er mit 30% Arbeitsanteil diesen Kontrollmechanismen gerecht werden muss. Die Netto-Arbeitszeit wird geringer und das Forschungsergebnis nicht besser.
     
  3. Welchen Rat würden Sie jungen WissenschaftlerInnen mitgeben, um sich im Wettbewerb erfolgreich zu behaupten? Es gibt bestimmt Punkte, an denen Sie im Nachhinein nachbessern mussten – welche waren das?
    Mutig sein, quer denken, Netzwerke aufbauen. Lernen, das wichtige vom unwichtigen zu trennen. Für sich zu verinnerlichen, dass der Erfolg häufig nur in einem funktionierendem Team gelingt und nicht in Abschottung und Konkurrenzkampf.
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Wissenschaftsstandort Niedersachsen

  1. Warum ist Niedersachsen für ihre Forschung der richtige Standort?
    Weil Forschung hier GROSS geschrieben wird.
     
  2. Was zeichnet den Wissenschaftsstandort Niedersachsen für Sie besonders aus?
    Niedersachsen ist eines der führenden Länder bzgl. Investitionen in die Forschung!
     
  3.  (Wie) Wurden und werden Sie vom Land Niedersachsen begleitet und unterstützt?
    Verschiedene unserer Forschungsprojekte sind vom Land Niedersachsen unterstützt bzw. unterstützt worden.
     
  4. Was verbinden Sie beruflich wie privat besonders mit Niedersachsen? Was schätzen Sie an Niedersachsen besonders?
Die Unaufgeregtheit. Die Vielfalt von einsamen Landstrichen und pulsierenden Städten, von High-Tech-Forschung  und  urtümlichen Bräuchen auf dem Land, von rauer Küste, Wattlandschaften, einsamer Heide und schroffen Mittelgebirgen.