Erfolgsgeschichten_LH-Wasserstoffzug-Alstom-3

Weltweit erster Wasserstoffzug aus Niedersachsen

Im Gespräch mit Stefan Schrank, Produktmanager Coradia Lint + iLint bei Alstom Transport Deutschland GmbH

Alstom Transport Deutschland GmbH

Alstom ist ein weltweit führender Anbieter für Bahntechnik in Deutschland. In Salzgitter, Niedersachsen, entwickelt und fertigt das Unternehmen erfolgreich Schienenfahrzeuge für den öffentlichen Nahverkehr in Deutschland. 2016 hat Alstom den weltweit ersten Wasserstoffzug Coradia iLint vorgestellt, der jetzt im Linienbetrieb eingesetzt wird. Damit hat das Unternehmen erneut seine besondere Innovationskraft unter Beweis gestellt.

Wie würden Sie die Unternehmensvision der Alstom Transport Deutschland GmbH beschreiben?

Die Vision von Alstom ist es, die globale Wende hin zu einem emissionsarmen und smarten Transportsystem zu schaffen. Wir stellen uns den aktuellen Herausforderungen für eine zukunftsfähige Mobilität, indem wir effiziente und digitale Technologien entwickeln. Ein nachhaltiges und verantwortungsvolles Miteinander ist uns wichtig, deshalb setzen wir auf umweltfreundliche Lösungen für die Zukunft.

Was ist das Besondere an Ihren Mobilitätssystemen?

Expertise und Innovationsfähigkeit zeichnen unsere Arbeit aus. Der Wasserstoffzug „Coradia iLint“ ist ein sehr gutes Beispiel für das Engagement von Alstom, innovative und umweltfreundliche Lösungen zu entwickeln.

Was sind dabei Ihre persönlichen Aufgaben, um die Vision nachhaltiger Mobilität zu verwirklichen?

Mit einem internationalen Projektteam hat Alstom den Coradia iLint als erste emissionsfreie Lösung für den Schienenverkehr auf nicht-elektrifizierten Strecken entwickelt. Als Projektleiter habe ich dieses Projektteam koordiniert und die Zusammenarbeit mit unseren Partnern organisiert. Das heißt, ich setze die technischen Ziele und überwache deren Erreichung. Gleichzeitig koordiniere ich die Experten unterschiedlicher Fachgebiete, damit neue technologische Lösungen für wirtschaftlich erfolgreichen Einsatz möglich werden.

An welchen Innovationen arbeitet Alstom im Moment?

Alstom setzt in Zukunft weiter auf neue emissionsarme und -freie Technologien. Aber auch die bewährten Systeme, wie etwa die Dieseltechnik, werden konsequent und nachhaltig weiterentwickelt. Darüber hinaus treiben wir die Entwicklung von autonomen und vernetzten Zügen voran, um das Angebot anhand automatisierter Datenverarbeitung zu optimieren. Die digitale Vernetzung der Züge wird in Zukunft weiterhin an Bedeutung gewinnen.

Welchen Stellenwert hat die Entwicklung von Innovationen für Ihr Unternehmen?

Innovationen wie der Wasserstoffzug sichern uns langfristig den Unternehmenserfolg und sind fest in der Unternehmenskultur verwurzelt. Alstom hat eine internationale Reputation und führt den technologischen Wettbewerb um Transportlösungen an.   

Sie kommen immer wieder auf den Wasserstoffzug „Coradia iLint“ zu sprechen: Können Sie erklären, was den Zug auszeichnet?

Unser Wasserstoffzug ist weltweit der erste Personenzug, der mit einer Wasserstoff-Brennstoffzelle betrieben wird. Wasserstoff und Brennstoffzellen sind eine ideale Kombination für den Klimaschutz sowie für die Energie- und Verkehrswende: Die Brennstoffzelle erzeugt aus Wasserstoff und Sauerstoff elektrische Energie für den Antrieb und gibt dabei lediglich Wasserdampf und Kondenswasser ab. So ist der Zug nicht nur emissionsfrei, sondern auch geräuscharm bei gleichbleibend hoher Leistung mit einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 140 Km/h. Die Energie wird sauber umgewandelt und flexibel gespeichert, sodass die Antriebskraft intelligent gesteuert werden kann.

Wo kommt der Zug bisher zum Einsatz?

Die ersten zwei Zugmodelle fahren seit 2018 im Linienbetrieb auf der gut 120 Kilometer langen Strecke zwischen Cuxhaven, Bremerhaven, Bremervörde und Buxtehude. Und es werden bald mehr: Das Land Niedersachsen hat schon 2017 14 Wasserstoffzüge für den regulären Betrieb ab 2021 gekauft.

Wie werden Züge vom Typ Coradia iLint betankt?

Momentan mit Hilfe einer mobilen Tankstelle. Am Bahnhof Bremervörde steht ein 40 Fuß großer Stahlcontainer, aus dem der gasförmige Wasserstoff in die Züge gepumpt wird. Eine Tankfüllung hat eine Reichweite von 1.000 Kilometern. Damit können die Züge einen ganzen Tag lang im Schienennetz fahren. Eine erste ortsfeste Wasserstoff-Tankstelle auf dem Betriebsgelände der Eisenbahn- und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser (EVB) ist geplant. Sie soll zeitgleich mit der Auslieferung der 14 Wasserstoffzüge an das Land Niedersachsen 2021 in Betrieb gehen.

Gibt es schon weitere Aufträge für den Coradia iLint?

Das Interesse ist erfreulicherweise groß: Für den Betrieb im Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) wurden 27 Wasserstoffzüge bestellt, die voraussichtlich ab Ende 2022 eingesetzt werden. Und es haben schon weitere Bundesländer Interesse bekundet.

Warum ist Niedersachsen der richtige Standort für ein Unternehmen wie Alstom?

Niedersachsen bietet uns gewachsene Strukturen und ein funktionierendes Netzwerk. Wir profitieren mit unseren Standorten in Salzgitter und Braunschweig unmittelbar von der exzellenten Infrastruktur und den Kontakten zu branchenspezifischen Forschungseinrichtungen. Der Standort Niedersachsen ist für die Entwicklung und den Betrieb neuer Antriebsformen im Schienenverkehr prädestiniert: Nirgendwo wird so viel Windenergie an Land erzeugt wie in Niedersachsen, und gleichzeitig bietet die Region Elbe-Weser eine ideale Teststrecke. Das Land Niedersachsen hat das Projekt zudem mit über 80 Mio. € gefördert.

Alstom Transport Deutschland GmbH

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  • Unternehmenssitz: Salzgitter
  • Gründungsjahr: 1893
  • Umsatz: 400 Mio. €
  • Beschäftigte: 2.500
  • Aktuelle Innovation: Weltweit erster Wasserstoffzug, Coradia iLint