Tischlerei von innen

Nachhaltigkeit, Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz in einer Tischlerei

Im Gespräch mit Michael Biesel, Geschäftsführer der Biesel GmbH.

Nachhaltiges Handwerk

Die Tischlerei Biesel fertigt individuelle und hochwertige Möbel für Geschäfts- und Privatkunden – hauptsächlich aus der Region Hannover. Das Familienunternehmen in vierter Generation zog 2020 in die Wedemark. Der Neubau folgt einer besonderen Vision: Klimaneutralität.  

Wie setzen Sie Nachhaltigkeit in Ihrem Betrieb um?

Wir kombinieren innovative Klimaschutztechnologien. Unsere eigene Photovoltaikanlage generiert bis zu 70 % unseres Energiebedarfs – den Rest kaufen wir als 100 % Ökostrom. Unser Neubau ist eine Niedrigenergiehalle nach KfW-Effizienzgebäude55 Standard. Eine Wärmepumpe mit Betonkernaktivierung heizt und kühlt das Gebäude mit wenig Energie. Wir nutzen viel Tageslicht und setzen LED-Beleuchtung ein. In der Produktion stellen wir auf umweltfreundlichere Wasserlacke um. Auch die Grünflächen auf unserem Grundstück sind – durch Vogelschutzhecken, heimische Gewächse und Blühwiesen – naturnah gestaltet. Neben energetischen Aspekten achten wir auf soziale Nachhaltigkeit. Unsere 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren beispielsweise aktiv in den Planungsprozess eingebunden.

Tischlerin bei der Arbeit

Worauf sind Sie bislang besonders stolz?

Dass wir den Klima-Innovationspreis 2020 des Landes Niedersachsen gewonnen haben. Wir haben uns als kleines, familiengeführtes Handwerksunternehmen durchgesetzt. Die Auszeichnung hat eine Signalwirkung nach außen und erreicht eine breite Öffentlichkeit: Wir machen überregional auf das Thema Klimaschutz im Handwerk aufmerksam und sind ein Vorbild für andere Betriebe. Wir motivieren unsere Kolleginnen und Kollegen, energetische Aspekte bei der Sanierung oder Neugestaltung der Werkstätten zu berücksichtigen. 

Mann steht auch einem Dach mit Solarpanels

Wie sind Sie auf die Idee des klimaneutralen Neubaus gekommen?

Unsere alte Produktionsfläche war zu klein. Außerdem hatte sie einen niedrigen energetischen Standard: Tageslicht und Lüftungsmöglichkeiten waren nur in geringem Umfang vorhanden. Das wollten wir ändern. Tischlereien sind enorm energieintensiv. Aus diesem Grund planten wir eine Photovoltaikanlage auf dem Dach unseres Neubaus. Diese war die Basis für weitere Maßnahmen. Wir haben uns intensiver mit dem Thema der energieeffizienten Gebäudeausstattung beschäftigt und viele umweltfreundliche Möglichkeiten für uns erkannt.

  • 0,5% Energiekostenanteil des Jahresumsatzes
  • 70 % der Energie stammt aus PV-Anlagen

Was planen Sie für die Zukunft Ihrer Tischlerei?

Nachhaltigkeit in der ganzen Produktionskette – d. h. auch die Umweltverträglichkeit verschiedener Materialien prüfen und darauf achten, welche wir verwenden. Verpackungsmüll wie Plastik oder Styropor soll ersetzt werden. Wir planen, die E-Mobilität im Unternehmen auszubauen: Bald kommt unser erstes E-Auto, das wir mit eigenem Strom laden werden.



 
Tischler bei der Arbeit

Welche Unterstützung bekommen Sie bei Ihrem Projekt?

Wir haben im Herbst 2018 die Förderung der Region Hannover im Rahmen der „Leuchtturmrichtlinie“ bekommen. Hierbei werden regionale Vorhaben im Bereich Klimaschutz finanziell gefördert. Das hat uns die Umsetzung vieler energetischer Maßnahmen ermöglicht. In der Planung haben wir eng mit dem NABU Wedemark und dem Umweltzentrum Hannover zusammengearbeitet. Außerdem haben uns die Energieberatung der Handwerkskammer Hannover und KfW-Förderprogramme unterstützt.

 

Bildcredits: Land Niedersachsen - Lando Hass

Sie interessieren sich für eine Förderung?

Niedersachsen bietet vielfältige Fördermöglichkeiten, vor allem für kleine und mittlere Unternehmen. Die Investitions- und Förderbank Niedersachsens NBank berät Sie gern.

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