Alles im Griff – innovative Technik für Produktion und Logistik

Im Gespräch mit Kirsten Büchler, Co-Founder der FORMHAND Automation GmbH

Universelle Greifkissen für Produktion & Logistik

FORMHAND wurde als Spin-off der Technischen Universität Braunschweig Anfang 2017 gegründet. Das junge Unternehmen beschäftigt sich mit der Entwicklung und dem Vertrieb von hochanpassungsfähigen Greifern für die Produktion und Logistik.

Wie ist FORMHAND entstanden?

Die Idee hatten die heutigen Mit-Geschäftsführer Dr.-Ing. Christian Löchte und Holger Kunz im Rahmen ihrer Dissertation an der TU Braunschweig. Zu dieser Zeit war ich noch in einer Festanstellung als Controllerin und kaufmännische Projektleitung bei einem großen Konzern in der Schweiz und in Braunschweig tätig. Nach sieben Jahren Berufserfahrung und vielen Gesprächen mit den befreundeten Forschern bin ich als kaufmännische Geschäftsführung eingestiegen. Besonders gereizt hat mich die Chance, etwas Neues komplett mitzugestalten. Die Idee hat mich überzeugt! Der EXIST-Forschungstransfer des Bundes war 2016 bewilligt.

Was fasziniert Sie persönlich am meisten an Ihrem Job? 

Jeder Tag ist anders und neu. Ich habe das große Ganze im Blick und nicht nur einen Projektausschnitt – teils konzeptionell, aber auch operativ. Meine erste Tat war beispielsweise einen Roboter zu beschaffen. Wir haben elf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das ist ein weiterer neuer Bereich für mich.

Was zeichnet Ihre Technologie aus?

Unsere universellen Greifkissen für automatisierte Greifprozesse in Produktion und Logistik sind absolut neuartig. Sie passen sich an die Geometrie und Beschaffenheit des Bauteils und der Oberfläche an. Dadurch können verschiedenste Objekte hintereinander gegriffen werden. Ein weiterer Vorteil: Selbst empfindliche Textilien bleiben unbeschädigt. Das Greifkissen kann von Blechteilen über Lebensmittel bis hin zu Socken alles greifen. 

Wie funktioniert der Greifprozess?

Der Prozess ist durch den speziellen Aufbau des Kissens möglich. Der FORMHAND-Greifer besteht aus einem Grundrahmen mit einem Anschluss für Volumenstrom, einem luftdurchlässigen Kissen mit Granulat-Füllung und einer flexiblen Außenhaut. Durch Unterdruck und Formschluss funktioniert das Greifen. Durch Fließen des Granulats passt es sich der Form an. Durch den Volumenstrom verfestigt sich das Greifkissen.
Dabei sind drei Betriebszustände möglich: Das Kissen ist völlig frei verformbar, das Kissen ist völlig fest oder das Kissen ist im Zustand, in dem es verformt werden kann, aber die aktuelle Form speichert. Unsere Kunden sind unter anderem Anlagenbauer und Systemintegratoren – vor allem in der Blechwelt und Logistikbranche. Überwiegend beliefern wir innerhalb Deutschlands. Punktuell bekommen wir auch weltweite Anfragen. 

Und wo möchten Sie damit noch hin?

Wir wollen unser Geschäftsmodell weiterentwickeln: Über die Kernkomponente hinaus soll eine komplette Anlage funktionierender Prozesse und die passende Software entstehen – eine FORMHAND-Gesamtlösung!

Was raten Sie anderen Gründerinnen und Gründern? 

Ich möchte Gründern und insbesondere Gründerinnen Mut machen, den eigenen Weg zu gehen und Herausforderungen mit Geduld zu begegnen. Eine Vision für die eigene Firma zu entwickeln und täglich Neues zu lernen, macht Spaß.
Ich rate Startups, Netzwerke aufzubauen. Wir haben uns Mentoren gesucht und Kontakte der TU Braunschweig genutzt. Wettbewerbe sind eine große Chance, um sich weiterzuentwickeln und bekannter zu werden. Außerdem haben uns die IHK und die Messeförderung des Landes Niedersachsen unterstützt. Unseren Privatinvestor haben wir auf einer Pitch-Veranstaltung kennengelernt.

Was ist Ihr Erfolgskonzept?

Wir haben ein gutes, neuartiges Produkt mit viel Potenzial. Unser Zusammenhalt, die gegenseitige Unterstützung und gemeinsame Ideen – wir sind mit Begeisterung bei der Sache! Unser Team lebt täglich Innovation und Kreativität.

 

Bildcredits: Land Niedersachsen - Lando Hass

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