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Niedersachsens Repräsentanz in Iran

Investieren in Iran: Hamed Moghaddasi berät und unterstützt bei den aktuellen Herausforderungen

20.10.2020 Tehran, Iran

Ein Interview mit Herrn Hamed Moghaddasi - der Repräsentant des Landes Niedersachsen in Iran sieht vor allem in den Bereichen Maschinenbau, der Landwirtschaft und Viehzucht, aber auch in Erneuerbaren Energien oder der Digitalisierung sehr gute Chancen für niedersächsische Unternehmen in Iran.

Herr Moghaddasi, seit 2016 ist Niedersachen mit einer Repräsentanz in der Islamischen Republik Iran in Teheran vertreten und Sie sind der Repräsentant. Die Leserinnen und Leser würden sicher auch gern etwas über Sie persönlich erfahren.

Niedersachsen hat als erstes Bundesland eine Repräsentanz in Iran gegründet, deren Aufgaben ich 2019 übernommen habe. Mit Niedersachsen bin ich allerdings schon länger verbunden, da ich bereits 1988 von Teheran nach Göttingen gezogen bin.

Dort habe ich das Abitur gemacht, an der dortigen Uni studiert und auch den Pflichtwehrdienst abgeleistet. Ich bin seit vielen Jahren in engstem Kontakt mit iranischen Unternehmen und natürlich mit deren deutschen Geschäftspartnern.

"Als Repräsentant Niedersachsens ist es mir ein großes Anliegen, mich persönlich um niedersächsische Unternehmer und iranische Unternehmer, die miteinander Geschäfte machen wollen, zu kümmern."

Hamed Moghaddasi
Hamed Moghaddasi, Repräsentant des Landes Niedersachsen in Tehran, Iran

Wie belastend war für Sie die Zeit der strengen Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie?

Wie in den meisten Ländern der Welt haben auch wir Iraner unter psychischen Belastungen aufgrund der persönlichen Einschränkungen gelitten. Was die Aufgaben als Repräsentant angeht, so hat sich die Arbeitsweise natürlich Corona bedingt verändert.

An die Stelle von persönlichen Treffen mit Unternehmern, die in Niedersachsen tätig werden möchten, ist der digitale Austausch getreten. Telefonate und Online-Gespräche über mehrere Stunden am Tag können allerdings besonders in Iran, wo man oft auf ein persönliches Treffen besteht, schon etwas anstrengend sein.

Die Corona-Pandemie hat in allen Ländern negative Auswirkungen auf die Wirtschaftsentwicklung. Zudem besteht das von den USA verhängte Handelsembargo gegen den Iran fort. Wie bewerten Sie die wirtschaftliche Lage auch mit Blick auf das Jahr 2021?

"Die zukünftige Lage der iranischen Wirtschaft wird wesentlich vom weiteren Verlauf der Corona-Krise, aber auch von anderen, besonders politischen Faktoren abhängen."

Sanktionen und strukturelle Probleme der iranischen Wirtschaft, haben die bereits vor der Pandemie bestehende Rezession erheblich verschärft.

Eine wichtige Rolle wird natürlich das Ergebnis der US-Präsidentschaftswahlen hinsichtlich der erwähnten US-Sanktionen spielen, das abzuwarten bleibt. Auf iranischer Seite besteht natürlich die Hoffnung, dass sich im Falle eines Regierungswechsels das iranisch-amerikanische Verhältnis bessern wird.

Zu erwähnen ist auch, dass 2021 im Iran Präsidentschaftswahlen stattfinden. Unser amtierender Präsident Ruhani kann bei diesen Wahlen nicht mehr antreten. Auch hier bleibt abzuwarten, wie der Ausgang der Wahlen mit möglicherweise veränderten Machtverhältnissen sich auf die Wirtschaftslage auswirken wird.

Wir konnten nach Abschluss des Atomabkommens in 2015 von iranischen Unternehmen ein sehr großes Interesse an deutschen Produkten feststellen. Wo sehen Sie weiterhin besondere Chancen für niedersächsische Unternehmen in der Islamischen Republik Iran?

Iran ist ein Land, das über große natürliche Ressourcen verfügt. Was wir dringend benötigen, sind Investitionen zur Erneuerung der iranischen Industrie. Es gibt einen großen Bedarf an modernen Technologien und an technologischem Knowhow.

"In traditionellen Bereichen wie Maschinenbau, der Landwirtschaft, insbesondere der Viehzucht aber auch in den Branchen Erneuerbaren Energien und Digitalisierung sehe ich sehr gute Chancen für niedersächsische Unternehmen."

Allerdings hemmen die US-Sanktionen den Handelsaustausch in den meisten dieser Branchen. Nicht von den Sanktionen betroffen sind Medizin- und Hygieneprodukte und -einrichtungen sowie persönliche Schutzausrüstungen und Systeme für industrielle Sicherheit sowie landwirtschaftliche Produkte.

Wir wissen von niedersächsischen Unternehmen, dass durch die US Sanktionen gerade auch der Transfer von Geldern ein großes Problem geworden ist. Wie beurteilen Sie die Problemlage?

Geld zu transferieren ist vielleicht das größte Problem im Handel zwischen Iran und Deutschland. Wegen der bestehenden US-Sanktionsdrohungen bei Geschäften mit dem Iran ist der zur Abwicklung erforderliche Geldtransfer für EU-Unternehmen und Banken fast unmöglich geworden.

Das von der EU entwickelte Handelsinstrument INSTEX konnte bisher auch nur in geringem Umfang Abhilfe schaffen und beschränkt sich ohnehin nur auf den nicht sanktionierten Handel von Waren für humanitäre Hilfe, Arzneimittel und Medizinprodukte sowie landwirtschaftliche Güter.

Auf welche kulturellen Besonderheiten in der Islamischen Republik Iran muss sich ein niedersächsisches Unternehmen einstellen?

Da gibt es schon einiges. Neben den Verhaltensroutinen, die in islamischen Ländern zu beachten wären, gibt es viele Details, die nicht außer Acht gelassen werden sollten.

Die Iraner sind grundsätzlich freundliche Menschen, besonders einem ausländischen Gast bzw. Geschäftspartner gegenüber. In der iranischen Kultur gibt es diverse Besonderheiten, mit denen man sich vertraut machen sollte.

Dazu gehört z. B. „Taarof“, eine besondere Form der Höflichkeit, die übersetzt bedeutet „sich bekannt machen“, in der Wirkung aber als „zeremonielle Unaufrichtigkeit“ definiert werden kann. Für Deutsche nicht einfach zu verstehen.

" Ich kann nur empfehlen, sich vorher über die Gepflogenheiten genau zu informieren. Dadurch kann man Missverständnissen vorbeugen."

Wenn ein niedersächsisches mit einem iranischen Unternehmen Geschäfte machen möchte, welche allgemeinen Tipps können Sie geben und wo können Sie besonders unterstützen?

Auch wenn es eine Binsenweisheit ist: Unternehmen sollten sich genau über den iranischen Markt informieren. Auch ist es sehr wichtig, sich gut über die Zollbestimmungen zu informieren.

Hier kann ich Informationen einholen und den niedersächsischen Unternehmen bei ihren Entscheidungen helfen. Bei der Finanzierung von Geschäften sollte man insbesondere den sehr volatilen Devisenkurs im Blick behalten.

Es gibt aber auch reges Interesse von iranischen Unternehmen in Niedersachsen aktiv zu werden. Welche Unterstützungsleistungen kann die Repräsentanz den interessierten iranischen Unternehmen bieten?

"Das Interesse iranischer Geschäftsleute in Niedersachsen aktiv zu werden, ist tatsächlich hoch."

Die Nachfrage kommt aus unterschiedlichsten Branchen, wie dem Maschinenbau oder auch aus dem Bereich Life Sciences. Die Fragen betreffen alle Bereiche, wie z.B. Firmengründung, Geschäftsmentalität in Deutschland und aber auch Ex-und Importbestimmungen.

Im Bereich Firmengründung und GmbH-Eintragung informieren wir mit passenden Materialien und bieten konkrete Unterstützung auch in der Umsetzung an. Einige Unternehmen suchen in Niedersachsen eine Immobilie oder ein Grundstück für eine Ansiedlung. Auch hierbei kann in Zusammenarbeit mit dem Ansiedlungsteam im Wirtschaftsministerium in Niedersachsen Hilfe anboten werden.

Es gibt hier aber auch Unternehmen, die zunächst nur an einer Kooperation interessiert sind und einen passenden Geschäftskontakt zu einem niedersächsischen Partner nachfragen.

In der Regel gelingt es uns in Zusammenarbeit mit unseren Netzwerken, wie Kammern und Wirtschaftsförderern, diesen Kontakt herzustellen. Die Beschränkung des Geldverkehrs ist aber auch hier oft ein großes Hindernis für die Unternehmen.

Ihr Repräsentant in Iran